Hitze ist längst Teil unseres Alltags
Wir nehmen den Klimawandel nicht mehr nur in wissenschaftlichen Berichten oder Klimamodellen wahr. Wir erleben ihn unmittelbar. Jeder von uns, überall. Tage mit extremer Hitze werden häufiger, Trockenperioden dauern länger und selbst die Nächte bringen vielerorts kaum noch Erholung. Die Belastung für Menschen, Städte und Natur nimmt spürbar zu. So spürbar, dass insbesondere in urbanen Räumen die Lebensqualität in langen Hitzeperioden deutlich leidet.
Was wir heute erleben, ist keine Ausnahme mehr. Es ist Ausdruck eines Klimas, das sich verändert.
Dabei wird häufig über das 2-Grad-Ziel gesprochen. Was viele jedoch nicht wissen: Diese zwei Grad beschreiben den globalen Mittelwert aus Land- und Meeresoberflächen. Europa erwärmt sich deutlich schneller als der globale Durchschnitt. Für Mitteleuropa bedeutet eine globale Erwärmung von zwei Grad regional häufig eine Erwärmung von etwa drei bis vier Grad – mit entsprechend weitreichenden Folgen für unsere Städte, unsere Infrastruktur und unseren Wasserhaushalt.
Der Weltklimarat bringt diese Entwicklung auf den Punkt:
„Climate change is already affecting every region on Earth, in multiple ways.“
Die entscheidende Frage lautet deshalb längst nicht mehr, ob wir uns an den Klimawandel anpassen müssen. Die entscheidende Frage lautet:
Wie machen wir unsere Städte nachhaltig klimaresilient?
Wenn wir Klimafolgenanpassung im urbanen Raum denken, dann müssen wir schnell feststellen, dass unsere direkten technischen Anpassungsmaßnahmen sich auf Klimaanlagen in öffentlichen Gebäuden beschränken. Wer jedoch Klimaanpassung ganzheitlich und nachhaltig denken will, stellt fest:
Die meisten Folgen des Klimawandels manifestieren sich im Wasserkreislauf
Hitze, Trockenheit, Starkregen, Hochwasser oder Wasserknappheit werden häufig als voneinander getrennte Herausforderungen betrachtet. Tatsächlich hängen sie jedoch unmittelbar zusammen und stellen die maßgeblichen Herausforderungen der urbanen Klimafolgenanpassung dar. Gleichzeitig ist der Umgang mit Wasser im urbanen Raum aber auch als große Chance zu verstehen.
Effektive Klimafolgenanpassung bedeutet Wasser intelligent bewirtschaften
Genau darin liegt eine der größten Aufgaben der kommenden Jahrzehnte. Wasser muss künftig nicht mehr ausschließlich gesammelt und möglichst schnell abgeleitet werden. Es muss gespeichert, zurückgehalten, verteilt und dort verfügbar gemacht werden, wo es den größten Nutzen für Mensch, Umwelt und Infrastruktur entfaltet.
Aus dieser Perspektive wird deutlich, warum urbane Wasserresilienz weit mehr ist als ein wasserwirtschaftliches Schlagwort. Sie beschreibt einen ganzheitlichen Ansatz, der Stadtplanung, Wasserwirtschaft, Grünflächenmanagement und Infrastrukturentwicklung miteinander verbindet.
Vier Handlungsfelder einer klimaresilienten Wasserwirtschaft
1. Menschen vor Wasser schützen
Mit dem Klimawandel verändern sich auch die Niederschläge. Neben klassischen Hochwasserereignissen gewinnen insbesondere Starkregen und pluviale Sturzfluten zunehmend an Bedeutung. Innerhalb weniger Minuten fallen große Niederschlagsmengen auf stark versiegelte Flächen. Das Wasser kann nicht versickern und führt lokal zu erheblichen Schäden. Und stellt eine Gefahr für den Menschen dar.
Eine klimaresiliente Stadt muss deshalb in der Lage sein, Niederschläge rechtzeitig zu erkennen, Wasser gezielt zurückzuhalten und urbane Entwässerungssysteme intelligent zu betreiben.
2. Gewässer vor menschlichen Einflüssen schützen
Klimawandel bedeutet nicht nur mehr Wasser in Form von Starkregen, sondern häufig zunächst weniger Wasser. Längere Trockenperioden führen zu niedrigeren Wasserständen und höheren Wassertemperaturen. Gleichzeitig sinkt die Sauerstoffkonzentration in den Gewässern.
In langen Trockenwetterphasen bilden sich im Kanalnetz Ablagerungen. Werden diese beim nächsten Starkregen remobilisiert, gelangen hohe Stofffrachten über Mischwasserentlastungen in unsere Gewässer. Deren Selbstreinigungskraft ist jedoch erheblich eingeschränkt, aufgrund geringerem Gesamtvolumen und gleichzeitig niedrigerem Sauerstoffgehalt. Dieser Zusammenhang verstärkt den Stress für die aquatische Tier und Pflanzenwelt massiv und kann im schlimmsten Fall zu einen akuten Massenfischsterben führen.
Der Schutz aquatischer Lebensräume wird damit zunehmend zu einer Frage intelligenter wasserwirtschaftlicher Planung und Steuerung. Die Vermeidung von maßgeblichen Frachtspitzen in Trockenwetterperioden stellt eine wesentliche Herausforderung für die Wasserwirtschaft im Zuge des Gewässerschutzes dar.
3. Wasser langfristig verfügbar machen in ausreichender Qualität und Quantität
Wasser ist die Grundlage nahezu aller gesellschaftlichen Bereiche. Neben der Trinkwasserversorgung sind Energieerzeugung, Industrie, Landwirtschaft und Binnenschifffahrt unmittelbar auf eine sichere Wasserverfügbarkeit angewiesen.
Während die Qualität unseres Trinkwassers heute in Deutschland auf einem sehr hohen Niveau liegt, entwickelt sich die verfügbare Wassermenge zunehmend zur entscheidenden Herausforderung. Immer häufiger muss die Nutzung von Trinkwasser eingeschränkt werden, um die Versorgung sicherzustellen, absehbar wird diese Situation sich in weiten Teilen Europas verschärfen.
Die Bevölkerung muss sensibilisiert werden für den bewussten Umgang mit der Ressource Wasser. Gleichzeitig muss jedoch auch die Wasserwirtschaft aktiv die Reduzierung von Wasserverlusten, die Förderung der Grundwasserneubildung sowie den nachhaltige Umgang mit Niederschlagswasser fordern und fördern
4. Vor Hitze schützen, Städte wirksam kühlen
Hitze gehört bereits heute zu den größten Belastungen des Menschen im urbanen Raum. Diese muss jedoch nicht einfach so ertragen werden. Stadtplanerisch gibt es heute schon zahlreiche Maßnahmen nachhaltig Temperaturen zu reduzieren.
Der wirksamste natürliche Kühlmechanismus unserer Städte ist die Verdunstung. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass ausreichend Wasser verfügbar bleibt. Und hier ist die maßgebliche Herausforderung. Wasser ist in der Regel dann nicht verfügbar, wenn wir es am dringendsten benötigen.
Genau deshalb verändert sich die Rolle des Niederschlags. Regenwasser darf künftig nicht mehr ausschließlich als Wasser betrachtet werden, das möglichst schnell aus der Stadt abgeführt werden muss. Vielmehr wird es zu einer wertvollen Ressource, die gespeichert und in Trockenzeiten beispielsweise zur Bewässerung urbaner Vegetation genutzt werden kann.
Jeder Liter Wasser, der in der Stadt gehalten wird, trägt gleichzeitig zur Kühlung, zur Stabilisierung des Wasserhaushalts und zur Entlastung der Gewässer bei.
Klimafolgenanpassung beginnt mit Systemverständnis
Die beschriebenen Herausforderungen lassen sich nur lösen, wenn wir den urbanen Wasserkreislauf verstehen.
- Wo fällt Niederschlag tatsächlich?
- Wie verändert sich der Wasserstand in Kanälen und Gewässern?
- Welche Wassermengen bewegen sich durch unsere Systeme?
- Wo werden die maßgeblichen Stofffrachten emittiert?
- Wo gehen wertvolle Wasserressourcen verloren?
Nur wenn diese Fragen zuverlässig beantwortet werden können, entstehen belastbare Entscheidungsgrundlagen für Planung und Betrieb und damit können wir letztlich direkte Klimafolgenanpassung betreiben.
Nur was wir messen, können wir verstehen. Und nur was wir verstehen, können wir intelligent steuern.
Systemverständnis entsteht durch Daten.
Daten schaffen Resilienz
Eine klimaresiliente Wasserwirtschaft benötigt Informationen über den gesamten Wasserkreislauf.
Sie beginnt bei einer hochaufgelösten Erfassung von Niederschlägen. Städte besitzen eigene Mikroklimata, sodass Niederschläge häufig kleinräumig und sehr unterschiedlich auftreten. Wer Regenwasser künftig gezielt bewirtschaften möchte, muss zunächst verstehen, wann und wo Niederschlag tatsächlich fällt.
Ebenso wichtig ist die kontinuierliche Erfassung von Wasserständen. Sie schafft Transparenz über die Wasserverfügbarkeit im Entwässerungssystem und natürlicher Gewässer, unterstützt den Hochwasserschutz und bildet eine wesentliche Grundlage für den sicheren Betrieb wasserwirtschaftlicher Infrastruktur.
Ergänzt wird dieses Systemverständnis durch die präzise Messung von Durchflüssen. Sie ermöglicht die Analyse hydraulischer Prozesse, bildet die Grundlage moderner Echtzeitsteuerungen. Gleichzeitig sind präzise Durchflussmessungen notwendig um Wasserverluste in Versorgungsnetzen zu erkennen und wertvolle Ressourcen nachhaltig zu sichern.
Erst das Zusammenspiel dieser Informationen schafft ein vollständiges Bild des Wasserkreislaufs – und damit die Grundlage für fundierte Entscheidungen.
Unser Beitrag – verlässliches Umweltmonitoring
Klimaresilienz entsteht nicht durch einzelne Produkte, Bausteine oder einzelne Akteure.
Sie entsteht durch Wissen und die Bereitschaft gemeinsam mit allen Akteuren Konzepte zu entwickeln, die nachhaltige Verbesserungen bewirken.
Unser Anspruch ist es, die Datengrundlage bereitzustellen, auf der Kommunen, Wasserverbände, Versorgungsunternehmen und Ingenieurbüros den Wasserkreislauf verstehen und fundierte Entscheidungen treffen können.
Mit Lösungen zur Erfassung von Niederschlägen, Wasserständen und Durchflüssen unterstützen wir unsere Partner dabei, wasserwirtschaftliche Systeme transparent zu machen, Prozesse in Echtzeit zu bewerten und Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung nachhaltig umzusetzen.
Denn resiliente Städte entstehen nicht durch Annahmen.
Sie entstehen durch belastbare Daten.
Und belastbare Daten sind der erste Schritt zu einem intelligent bewirtschafteten Wasserkreislauf. Machen sie Ihren ersten Schritt für eine bessere Zukunft – mit NIVUS.
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